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Eigentlich sollte es etwas ganz Einfaches werden...

oder

Evolution gibt es auch bei Motorrad-Gespannen!   

                                                                              

Schon länger geisterte in meinem Kopf die Idee, für die längeren Strecken ein leistungsstärkeres und etwas weniger betagtes Gespann aufzubauen. Da schon 3 Motorräder Platz in der Garage und Geld für den Unterhalt beanspruchten, sollte das natürlich nicht zu teuer werden, was Einfaches eben.

Im Sommer 1998 waren wir wieder einmal mit unserem Horex-Gespann auf der dänischen Insel Fünen zum Oldtimertreffen in Egeskov. Auf dem Parkplatz bekam ich den entsprechenden Kick: dort stand eine BMW R60/5, die mittels Hilfsrahmen und Velorex-Seitenwagen zum Gespann umfunktioniert war. Kurzer Überschlag im Kopf, das war für einige Tausender zu machen! Wieder Zuhause wurde also nach einer BMW Ausschau gehalten. Der entscheidende Tipp kam von Freund Carlo: Fahr mal nach Rethwisch zu Karl-Heinz Strauß und Knut Gerken . Die haben dort eine kleine, aber feine BMW-Werkstatt (Link zu deren Homepage) und immer schöne Gebrauchte stehen. Also an einem Freitag nachmittag nichts wie hin. Eine R75/6 erregte meine Aufmerksamkeit; na gut, die Lackierung war zwar neu, sagte mir allerdings nicht zu, sie hatte auch nur eine Scheibenbremse und keinen Kickstarter, aber der Preis von 5.000,- DM kam mir schon gelegen. Bis Montag wollte er sie mir gerne reservieren. Wieder Zuhause ging das Grübeln los: Daneben stand doch auch eine R100T, sehr gepflegt, mit Kickstarter, Ölkühler, Doppelscheibenbremse. Klar, der Preis sprengte mit 6.500,- DM den vorgegebenen Rahmen, aber für ein Gespann sind 65 PS nicht zu verachten, und überhaupt... Montag morgen rief ich an und sagte, ich würde die Tausender am Freitag abholen, Montag nachmittag war ich mit dem Anhänger dahin unterwegs!

Wenige Tage später war sie angemeldet, man muss ja testen, ob alles in Ordnung ist, und zwei Räder machen ja ab und zu auch mal Spaß. Der Bums von unten war begeisternd, aber der Verbrauch von über 7 Litern im Solobetrieb ließ für den Gespannbetrieb nichts Gutes erwarten. Ansonsten wilde Begeisterung. Es durften Pläne für den Umbau gemacht werden.

Der Besuch des Teilemarktes in Kaltenkirchen warf diese dann gründlich über den Haufen. Fand ich da doch von einem zerlegten „Wintergespann" EML-Rahmen mit Vorderradschwinge, 15" Rohrspeichenrädern und RS-Verkleidung, und das alles zusammen für nur wenig mehr als den Kosten für den Hilfsrahmen.

Damit nahm der Umfang der Umbauarbeiten deutlich zu. Gespräche mit Freund Tarik, alter Gespannfuchs und –bauer, brachten immer neue Ideen. Mal eben die Schwinge von Einzel- auf Doppelscheibenbremse umbauen? Klar, mach ich.  Noch keinen Seitenwagen? Dann nimmst Du erstmal einen von meinen. Wo ist das Problem? Oh Mann, ohne ihn wäre das eine Aktion über Jahre geworden.

Also los. Die Maschine wurde komplett zerlegt. Das Gespann sollte später die blau-silberne Sonderlackierung der BMW-Motorsport-GmbH erhalten. Um Lackschäden in der Umbauphase zu vermeiden, sollte es zuerst aufgebaut, dann wieder zerlegt und anschließend lackiert werden. 

Als erstes kam das Fahrwerk dran. Die Rohrspeichenräder wurden mit 15-Zoll-Autoreifen von Continental der Größe 135/70 (Smart-Vorderreifen) ausgerüstet. Tariks Seitenwagen vom Typ EML-Tour war bei ihm an eine Gold-Wing geschraubt gewesen, da waren komplett neue Anschlüsse anzufertigen. Ein Lenkungsdämpfer und neue Koni's mit Gespannfedern wurden montiert.

Die Bremsanlage wurde mit Stahlflex-Leitungen ausgerüstet. Die Doppelscheibe im Vorderrad wird mit der Handbremse betätigt, Hinterrad und Seitenwagen mit dem Fuß gebremst.

Die gesamte Elektrik wurde aus dem Lampengehäuse in eine Alubox verlegt, die in das Rahmendreieck (bisher Einbauort der Batterie) eingepaßt wurde. Die Batterie bekam einen Platz zwischen Motorrad und Seitenwagen und sollte später einmal gegen eine kräftigere Autobatterie ausgetauscht werden.

Der Umbau zog sich über den ganzen Winter hin (Fotos), aber im Mai 1999 war es soweit. Es konnte zur Abnahme zum TÜV gehen. Dipl.Ing. Wiesner (selber alter Gespannfahrer) war begeistert und die begehrte Plakette wurde erteilt.

Es zeigte sich, dass die RS-Verkleidung der "Stufe 1" klasse aussah, aber mit dem schmalen Lenker war das Gespann doch schwer zu handhaben. Auch die vorgebeugte Sitzposition sagte mir auf längeren Strecken nicht zu. Ein breiterer und höherer Lenker war in der Verkleidung nicht unterzubringen, also musste auf RT-Verkleidung "aufgerüstet" werden. Gesagt, getan. Die Stufe 2 war nicht mehr ganz so chic, aber der Komfort darf bei einem älteren Herrn wie mich auch nicht zu kurz kommen, da muss man eben Kompromisse machen! Fahrten u.a. nach Dänemark, Schweden und Holland zeigten, dass ich auf dem richtigen Weg war. 

Die Saison 1999 ging zuende. Damit über Winter keine Langeweile aufkam und da der Öl- und Benzinverbrauch nach nun über 90.000 Kilometern recht hoch waren und auch ein eigener Seitenwagen an die Maschine sollte, würde Stufe 3 gezündet.

Der Motor wurde ausgebaut und zur Firma Strauß gebracht. Die Überprüfung ergab ein zu großes Kolbenspiel, also wurden die Zylinder aufgebohrt, gehont und Kolben mit dem nächsten Übermaß beschafft. Da der Motor schon mal auf war, wurden auch gleich die Lager ausgewechselt. Der Simmerung zur Kupplung war undicht und hatte die Kupplungsscheibe verölt. Also wurde der auch ausgetauscht und bei der Gelegenheit ein stärkerer Kupplungsfederteller eingesetzt (schadet beim Gespann nie und ersetzt das Hanteltraining für die linke Hand).

Das Getriebe wurde überprüft, teilweise neu gelagert und justiert und ein längerer 5. Gang eingebaut. Normalerweise werden Gespanne ja eher kürzer übersetzt, um bei der Beschleunigung das höhere Gewicht auszugleichen. Aber ich bevorzuge eher eine "gemütliche" Fahrweise, hohe Drehzahlen mag ich nicht so gerne.

Die Suche nach einem Seitenwagen gestaltete sich schwierig. Ein neuer war mir zu teuer und alte Russenboote wollte ich nicht. Dann fand ich die Anzeige in der Zeitschrift "Motorrad-Gespanne" (Link zu deren Homepage).

Da stand ein EML-Mini zum Verkauf, der Preis war o.k., er mußte nur aus Nürnberg abgeholt werden.

Damit zuhause angekommen, stellten wir fest, daß der Rahmen zum Anbau an einer Moto-Guzzi "modifiziert" worden war. Also wurde dieser wieder in den Originalzustand versetzt. Das kleine 12-Zoll Scheibenrad sah auch nicht so toll aus, also wurde auf ein Rohrspeichenrad wie an der Maschine umgerüstet. Auch die Anschlüsse des Beiwagens an die Maschine mußten angefertigt werden. Bei den ganzen Umbauarbeiten war es unbezahlbar, Tarik zum Freund zu haben. Ich als gelernter Tischler und heutiger Computerfachmann bin immer wieder begeistert, was er mit seinen Kenntnissen und Werkzeugen aus Metall alles anfertigen kann.

Hinzu kam außerdem eine bequeme Sitzbank von Corbin. Kann ich für längere "Sitzungen" nur empfehlen!

Das Boot wurde noch passend zur Maschine lackiert und im Mai 2000 war sie wieder einsatzbereit.

Bei den folgenden Touren (u.a. Isle-of-Man, Dänemark, Holland) zeigte sich, das weitere Verbesserungen möglich waren. Der Motor wurde im Sommer trotz Ölkühler ziemlich heiß, ein Ölwannenzwischenring wirkte da Wunder. Jetzt kreist ein Liter Öl mehr im Motor, das bringt glatt eine um 20 Grad geringere Öltemperatur.

Außerdem habe ich die 2in1-Auspuffanlage der BMW R100R montiert. Neben dem schön grummeligen Sound bringt die linksseitige Abgasführung den Vorteil, daß es keine Probleme mit Abgasen im Seitenwagen gibt. Und es gab Platz für eine Autobatterie zwischen Maschine und Seitenwagen. Und vielleicht noch mal für einen Zusatztank, denn der Verbrauch auf der Autobahn liegt je nach Geschwindigkeit gerne bei fröhlichen 9-11 Litern. Da der originale Motorradtank nur über 24 Liter Inhalt verfügt, muß man auf der Bahn immer rechtzeitig nach einer Tankstelle Ausschau halten.

Inzwischen ist im Seitenwagen eine Gegensprechanlage mit angeschlossenem Autoradio installiert, damit auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Das Radio ist über einen in der RT-Verkleidung eingebauten Joystick fernbedienbar, die Helme haben Lautsprecher und Mikrofone eingebaut bekommen.

Damit sollte erst einmal ein Stand erreicht sein, mit dem ich gut leben kann. Aber man ist ja vor neuen Ideen nie sicher .

(Holger, Juni 2001)

Habe radiotechnisch doch noch einige Änderungen vorgenommen. Die Gegensprechanlage war in Verbindung mit den Jet-Helmen nicht das gelbe vom Ei. Die Ansprechschwelle für die Vox-Steuerung mußte durch die im Fahrwind liegenden Mikrofone sehr hoch gesetzt werden. Deshalb mußte man bei Gesprächsbeginn immer laut anbrüllen, was leicht zum Erschrecken des Partners führte.

Konsequenz: Offene Helme sind uns wichtiger als Gegensprechanlage, also flog die wieder raus.

Auch ein anderes Radio habe ich eingebaut: in den 80ern gab es von Blaupunkt ein Schwanenhalsradio. Damals Hi-Tec, heute genau das richtige, um das im Beiwagen montierte Radio vom Fahrersitz aus zu bedienen.

(Holger, Mai 2002)

So, nun ist es beschlossene Sache: dieses Gespann wird verkauft und eine neues aufgebaut (siehe BMW-Gespann 2).

(Holger, Oktober 2002)

Nun ist sie weg. Einerseits , andererseits gibt es ja die Neue .

(Holger, Mai 2003)